\subsection{Platon} \begin{contract}[Platon] \contractGoal{Der Abschnitt zu Platon soll ihn nicht als ausgearbeitete Artefakttheorie präsentieren, sondern als historischen Ausgangspunkt, der grundlegende Unterscheidungen etabliert, die bis heute wirksam sind. Platon fungiert als Lieferant einer begrifflichen Hypothek: Er verankert Artefakte ontologisch als abgeleitet, epistemisch als nachrangig und normativ als von externen Maßstäben abhängig. Ziel ist es, diese Grundschnitte – Idee vs. Gemachtes, Wissen vs. Herstellung, Maßstab vs. Ausführung – freizulegen und sichtbar zu machen, dass jede spätere Theorie technischer oder informationstechnischer Artefakte sich zu genau diesen Unterscheidungen positionieren muss, sei es durch Übernahme, Modifikation oder bewusste Zurückweisung.} \contractPrereq{Um den Abschnitt verständlich zu machen, müssen zentrale Begriffe bereits zuvor allgemein geklärt sein. Dazu gehören ontologische Grundunterscheidungen wie Naturding und Artefakt, Derivativität und Abhängigkeit, ebenso handlungstheoretische Konzepte wie Intentionalität, Herstellung (ποίησις) und Autorschaft. Weiterhin sind funktionale und normative Begriffe wie Zweck, Funktion, Fehlfunktion und Maß vorab einzuführen, ebenso eine methodische Klärung, warum historische Texte nicht doxographisch, sondern als systematische Ressourcen gelesen werden. Diese Vorarbeit stellt sicher, dass der Abschnitt nicht Grundlagen nachliefert, sondern gezielt eine historische Konstellation sichtbar macht, an der sich die weitere Argumentation abarbeiten kann.} \contractArgument{Der Abschnitt soll systematisch-rekonstruktiv vorgehen und sich auf ausgewählte zentrale Textstellen konzentrieren. Leittext ist Buch X der Politeia, in dem Artefakte als Nachahmungen zweiter Ordnung erscheinen und ihr Maß außerhalb ihrer selbst liegt. Ergänzend sind Passagen aus Gorgias und Politikos heranzuziehen, um technē als regelgeleitete, aber normativ rückgebundene Wissensform sowie ihre politische Einhegung zu thematisieren; punktuell kann der Timaios herangezogen werden, um die Grenzfigur des kosmischen Gemachten sichtbar zu machen. Ziel des Vorgehens ist es nicht, Platons Position zu harmonisieren, sondern die impliziten Annahmen über Herstellung, Zweck, Wahrheit und Ordnung freizulegen und als problematische Ausgangslage zu markieren.} \contractAI{Prüfe, ob das formulierte Ziel mit dem geplanten Argument erreicht werden kann. Prüfe, ob der folgende Abschnitt das soeben formulierte Ziel erfüllt. Prüfe, ob der Abschnitt das beschriebene Argument einhält. Prüfe, ob das, was zuvor im Text steht, die hier verlangten Voraussetzungen erfüllt. Wenn jeweils ja, dann sage nur ``ja'', wenn nicht, nenne die Einschränkungen unter klarer Bezugnahme auf diesen Abschnitt und die jeweiligen Textstellen.} \end{contract} \begin{enumerate} \item \textbf{Technik als Teilhabe am Logos:} Plato grenzt die wahre Technik (\textit{techne}) von bloßer individueller Geübtheit (\textit{tribe}) ab. Wahre Technik zeichnet sich durch die Kenntnis der Natur der eingesetzten Mittel sowie der Gründe des Handelns aus und ist untrennbar an die Realisierung des Guten gebunden. Wie Christoph Hubig in \textit{Die Kunst des Möglichen I} (2006) auf Seite 42 erläutert, ist Technik für Plato nicht bloße Anwendung eines Logos, sondern sie ist nur Technik, sofern sie an diesem Logos selbst teilhat [1]. \item \textbf{Die Chora als Ur-Szene der Medialität:} Im \textit{Timaios} führt Plato neben den ewigen Ideen und den sinnlichen Erscheinungen eine „dritte Gattung“ ein: die \textit{Chora} (das „Aufnehmende“). Diese bildet laut Hubig (2006, S. 44-45) die Urszene für die Diskussion der Medialität, da sie den Raum darstellt, innerhalb dessen die Vermittlung zwischen Idee und Realisierung stattfindet [2, 3]. \item \textbf{Das Wirken „umherschweifender Ursachen“:} Das Medium (die \textit{Chora}) besitzt eine spezifische Ursächlichkeit, die Plato als diejenige „umherschweifender Ursachen“ charakterisiert. Hubig (2006, S. 45) interpretiert dies als einen Bereich von Dispositionen der Unterscheidbarkeit, die erst durch die Formgebung aktualisiert werden [4]. \item \textbf{Der Doppelcharakter der Spur (\textit{ichnos}):} Aus der platonischen Konzeption leitet Hubig das für die Technikphilosophie zentrale Konzept der Spur ab. Er unterscheidet dabei zwischen „Spuren für...“ (Ermöglichungsbedingungen der Form) und „Spuren von...“ (dem Surplus an Eigenschaften im realisierten Werk, das über den Plan hinausgeht). Dieser Doppelcharakter ermöglicht den abduktiven Rückschluss vom Resultat auf das Medium (Hubig, 2006, S. 45-46) [5]. \item \textbf{Technikkritik und Kompensation:} Am Beispiel der Schrifttechnik im \textit{Phaidros} zeigt Plato die Ambivalenz technischer Medien auf. Während sie als Intellektualtechnik Planung ermöglichen, führen sie zu Verlusten an Authentizität und lebendiger Erinnerung. Hubig (2006, S. 48) betont jedoch, dass die Reflexion auf den medialen Möglichkeitsraum es erlaubt, solche Verluste durch bewusste Nutzung alternativer Medien zu kompensieren [6, 7]. \end{enumerate}