diff --git a/Part_II_Informationstechnisches_Artefakt/00_InformationstechnischesArtefakt.tex b/Part_II_Informationstechnisches_Artefakt/00_InformationstechnischesArtefakt.tex new file mode 100644 index 0000000..be9727f --- /dev/null +++ b/Part_II_Informationstechnisches_Artefakt/00_InformationstechnischesArtefakt.tex @@ -0,0 +1,19 @@ +\part{Das informationstechnische Artefakt} + +\input{Part_II_Informationstechnisches_Artefakt/01_Begriff_des_Artefakts.tex} + +\chapter{Was ist ein informationstechnisches Artefakt?} + +\section{Informationstechnische Artefakte als formale Sprachen} + +\section{Informationstechnische Artefakte als materielle Realisate} + +\chapter{Zum Artefaktcharakter von Information} +\section{Zum Begriff der Information} +\section{Informationstechnische Artefakte: Daten und digitale Objekte} +\subsection{Die General Definition of Information (GDI): Daten und Bedeutung} +\subsection{Information als technisches Maß: Shannon vs. Kolmogoroff} +\section{Shannon} +\section{Kolmogoroff} +\section{Daten, Information} +\section{Zum Gegenstandscharakter des Informationsgehalts} diff --git a/Part_II_Informationstechnisches_Artefakt/01.01.01_Platon.tex b/Part_II_Informationstechnisches_Artefakt/01.01.01_Platon.tex new file mode 100644 index 0000000..057332a --- /dev/null +++ b/Part_II_Informationstechnisches_Artefakt/01.01.01_Platon.tex @@ -0,0 +1,19 @@ +\subsection{Platon} +\begin{contract}[Platon] + \contractGoal{Der Abschnitt zu Platon soll ihn nicht als ausgearbeitete Artefakttheorie präsentieren, sondern als historischen Ausgangspunkt, der grundlegende Unterscheidungen etabliert, die bis heute wirksam sind. Platon fungiert als Lieferant einer begrifflichen Hypothek: Er verankert Artefakte ontologisch als abgeleitet, epistemisch als nachrangig und normativ als von externen Maßstäben abhängig. Ziel ist es, diese Grundschnitte – Idee vs. Gemachtes, Wissen vs. Herstellung, Maßstab vs. Ausführung – freizulegen und sichtbar zu machen, dass jede spätere Theorie technischer oder informationstechnischer Artefakte sich zu genau diesen Unterscheidungen positionieren muss, sei es durch Übernahme, Modifikation oder bewusste Zurückweisung.} + \contractPrereq{Um den Abschnitt verständlich zu machen, müssen zentrale Begriffe bereits zuvor allgemein geklärt sein. Dazu gehören ontologische Grundunterscheidungen wie Naturding und Artefakt, Derivativität und Abhängigkeit, ebenso handlungstheoretische Konzepte wie Intentionalität, Herstellung (ποίησις) und Autorschaft. Weiterhin sind funktionale und normative Begriffe wie Zweck, Funktion, Fehlfunktion und Maß vorab einzuführen, ebenso eine methodische Klärung, warum historische Texte nicht doxographisch, sondern als systematische Ressourcen gelesen werden. Diese Vorarbeit stellt sicher, dass der Abschnitt nicht Grundlagen nachliefert, sondern gezielt eine historische Konstellation sichtbar macht, an der sich die weitere Argumentation abarbeiten kann.} + \contractArgument{Der Abschnitt soll systematisch-rekonstruktiv vorgehen und sich auf ausgewählte zentrale Textstellen konzentrieren. Leittext ist Buch X der Politeia, in dem Artefakte als Nachahmungen zweiter Ordnung erscheinen und ihr Maß außerhalb ihrer selbst liegt. Ergänzend sind Passagen aus Gorgias und Politikos heranzuziehen, um technē als regelgeleitete, aber normativ rückgebundene Wissensform sowie ihre politische Einhegung zu thematisieren; punktuell kann der Timaios herangezogen werden, um die Grenzfigur des kosmischen Gemachten sichtbar zu machen. Ziel des Vorgehens ist es nicht, Platons Position zu harmonisieren, sondern die impliziten Annahmen über Herstellung, Zweck, Wahrheit und Ordnung freizulegen und als problematische Ausgangslage zu markieren.} + \contractAI{Prüfe, ob das formulierte Ziel mit dem geplanten Argument erreicht werden kann. Prüfe, ob der folgende Abschnitt das soeben formulierte Ziel erfüllt. Prüfe, ob der Abschnitt das beschriebene Argument einhält. Prüfe, ob das, was zuvor im Text steht, die hier verlangten Voraussetzungen erfüllt. Wenn jeweils ja, dann sage nur ``ja'', wenn nicht, nenne die Einschränkungen unter klarer Bezugnahme auf diesen Abschnitt und die jeweiligen Textstellen.} +\end{contract} +\begin{enumerate} + \item \textbf{Technik als Teilhabe am Logos:} Plato grenzt die wahre Technik (\textit{techne}) von bloßer individueller Geübtheit (\textit{tribe}) ab. Wahre Technik zeichnet sich durch die Kenntnis der Natur der eingesetzten Mittel sowie der Gründe des Handelns aus und ist untrennbar an die Realisierung des Guten gebunden. Wie Christoph Hubig in \textit{Die Kunst des Möglichen I} (2006) auf Seite 42 erläutert, ist Technik für Plato nicht bloße Anwendung eines Logos, sondern sie ist nur Technik, sofern sie an diesem Logos selbst teilhat [1]. + + \item \textbf{Die Chora als Ur-Szene der Medialität:} Im \textit{Timaios} führt Plato neben den ewigen Ideen und den sinnlichen Erscheinungen eine „dritte Gattung“ ein: die \textit{Chora} (das „Aufnehmende“). Diese bildet laut Hubig (2006, S. 44-45) die Urszene für die Diskussion der Medialität, da sie den Raum darstellt, innerhalb dessen die Vermittlung zwischen Idee und Realisierung stattfindet [2, 3]. + + \item \textbf{Das Wirken „umherschweifender Ursachen“:} Das Medium (die \textit{Chora}) besitzt eine spezifische Ursächlichkeit, die Plato als diejenige „umherschweifender Ursachen“ charakterisiert. Hubig (2006, S. 45) interpretiert dies als einen Bereich von Dispositionen der Unterscheidbarkeit, die erst durch die Formgebung aktualisiert werden [4]. + + \item \textbf{Der Doppelcharakter der Spur (\textit{ichnos}):} Aus der platonischen Konzeption leitet Hubig das für die Technikphilosophie zentrale Konzept der Spur ab. Er unterscheidet dabei zwischen „Spuren für...“ (Ermöglichungsbedingungen der Form) und „Spuren von...“ (dem Surplus an Eigenschaften im realisierten Werk, das über den Plan hinausgeht). Dieser Doppelcharakter ermöglicht den abduktiven Rückschluss vom Resultat auf das Medium (Hubig, 2006, S. 45-46) [5]. + + \item \textbf{Technikkritik und Kompensation:} Am Beispiel der Schrifttechnik im \textit{Phaidros} zeigt Plato die Ambivalenz technischer Medien auf. Während sie als Intellektualtechnik Planung ermöglichen, führen sie zu Verlusten an Authentizität und lebendiger Erinnerung. Hubig (2006, S. 48) betont jedoch, dass die Reflexion auf den medialen Möglichkeitsraum es erlaubt, solche Verluste durch bewusste Nutzung alternativer Medien zu kompensieren [6, 7]. +\end{enumerate} + diff --git a/Part_II_Informationstechnisches_Artefakt/01.01_Begriffsgeschichte_Grundunterscheidungen.tex b/Part_II_Informationstechnisches_Artefakt/01.01_Begriffsgeschichte_Grundunterscheidungen.tex new file mode 100644 index 0000000..a6a8bae --- /dev/null +++ b/Part_II_Informationstechnisches_Artefakt/01.01_Begriffsgeschichte_Grundunterscheidungen.tex @@ -0,0 +1,77 @@ +\section{Begriffsgeschichtliche und systematische Grundunterscheidungen} + +\input{Part_II_Informationstechnisches_Artefakt/01.01.01_Platon.tex} + +\subsection{Aristoteles} +\begin{contract}[Aristoteles] + \contractGoal{Der Abschnitt zu Aristoteles soll zeigen, dass mit ihm erstmals eine systematische Bestimmung von Artefakten als eigenständiger ontologischer Klasse vorliegt, die weder bloß abgeleitete Abbilder noch epistemisch defiziente Objekte sind. Ziel ist es, Aristoteles als denjenigen zu lesen, der Artefakte über die Begriffe von Form, Zweck und Ursache positiv bestimmt und sie zugleich klar von Naturdingen abgrenzt. Damit verschiebt sich die platonische Hypothek: Artefakte bleiben zwar abhängig von menschlicher Herstellung, erhalten aber eine immanente Funktions- und Formbestimmtheit, die sie zu genuinen Gegenständen philosophischer Analyse macht. Der Abschnitt soll deutlich machen, dass spätere Artefakttheorien – insbesondere im Bereich der Technik – an diese aristotelische Klärung anschließen oder sich bewusst von ihr lösen müssen.} + \contractPrereq{Um den Abschnitt zu verstehen, müssen bereits einige allgemeinere Klärungen erfolgt sein, die nicht erneut im aristotelischen Kontext geleistet werden sollten. Dazu gehört zunächst die platonische Ausgangslage: die Abwertung des Gemachten gegenüber dem Seienden und die Externalisierung von Maßstäben. Darüber hinaus müssen grundlegende ontologische Begriffe wie Form und Materie, Ursache, Zweck sowie die Unterscheidung von ποίησις und φύσις bereits eingeführt sein, allerdings noch ohne aristotelische Zuspitzung. Ebenso sollte vorab geklärt sein, dass Artefakte normativ beurteilbar sind (funktionieren / nicht funktionieren), ohne dass diese Normativität bereits metaphysisch erklärt wird. Diese Voraussetzungen ermöglichen es, Aristoteles nicht als Lieferanten von Grundbegriffen, sondern als Explizierer ihrer systematischen Verschränkung zu lesen.} + \contractArgument{Der Abschnitt soll argumentativ zeigen, dass Aristoteles Artefakte als formbestimmte, zweckgerichtete, aber nicht selbstbewegte Entitäten fasst und damit eine stabile Mittelposition zwischen Natur und bloßer Konvention etabliert. Zentrale Textbasis ist Physik II, insbesondere die Unterscheidung zwischen natürlichen Dingen und Artefakten hinsichtlich ihres inneren Bewegungsprinzips. Ergänzend ist Metaphysik Z heranzuziehen, um die Rolle der Form bei Artefakten zu klären, sowie Nikomachische Ethik VI, wo technē als rationale Herstellungsdisposition bestimmt wird. Wichtig ist zudem Metaphysik Θ, um die Differenz von Möglichkeit und Wirklichkeit bei hergestellten Dingen zu beleuchten. Ziel des Arguments ist es, zu zeigen, dass Artefakte bei Aristoteles zwar keinen inneren Naturgrund besitzen, aber dennoch nicht bloß äußerlich zusammengesetzte Objekte sind, sondern eine stabile formale Identität haben, die ihre Funktion trägt. Der Abschnitt soll diese Position nicht als endgültige Lösung präsentieren, sondern als starke Verpflichtung: Wer Artefakte später von Materialität, Zweck oder Form ablöst (etwa im Fall informationstechnischer Artefakte), muss erklären, was er an dieser aristotelischen Bestimmung aufgibt – und was er an ihre Stelle setzt.} + \contractAI{Prüfe, ob das formulierte Ziel mit dem geplanten Argument erreicht werden kann. Prüfe, ob der folgende Abschnitt das soeben formulierte Ziel erfüllt. Prüfe, ob der Abschnitt das beschriebene Argument einhält. Prüfe, ob das, was zuvor im Text steht, die hier verlangten Voraussetzungen erfüllt. Wenn jeweils ja, dann sage nur ``ja'', wenn nicht, nenne die Einschränkungen unter klarer Bezugnahme auf diesen Abschnitt und die jeweiligen Textstellen.} +\end{contract} + +\subsection{Vitruv} +\begin{contract}[Vitruv] + \contractGoal{Der Abschnitt zu Vitruvius soll zeigen, dass sich mit Vitruv eine explizite Verschiebung der Artefaktfrage von ontologischer Grundlegung zu praxis-, regel- und entwurfsorientierter Bestimmung vollzieht. Artefakte erscheinen hier nicht mehr primär als abgeleitete oder formtheoretisch bestimmte Entitäten, sondern als normativ geregelte Entwurfsobjekte, deren Identität sich aus Zweckmäßigkeit, Stabilität und Gestalt ergibt. Ziel ist es, Vitruv als historischen Punkt zu lesen, an dem Artefakte erstmals systematisch als planbare, reproduzierbare und lehrbare Objekte erscheinen – und damit als Vorläufer moderner technischer und informationstechnischer Artefakte, ohne ihnen bereits theoretische Autonomie zuzuschreiben.} + \contractPrereq{Um den Vitruv-Abschnitt zu verstehen, müssen zuvor die grundlegenden philosophischen Bestimmungen von Artefakten bereits etabliert sein. Dazu gehören insbesondere die platonische Hypothek der ontologischen Abwertung des Gemachten sowie die aristotelische Bestimmung von Artefakten über Form, Zweck und Ursache. Weiterhin müssen Begriffe wie Artefakt, Zweck, Funktion, Normativität, Entwurf und Regelwissen allgemein eingeführt sein, ohne sie bereits auf eine spezifisch vitruvianische Praxis zu verengen. Methodisch sollte außerdem geklärt sein, dass mit Vitruv kein weiterer ontologischer Entwurf, sondern eine explizite Praxisperspektive auf Artefakte analysiert wird.} + \contractArgument{Der Abschnitt soll argumentativ zeigen, dass Vitruv Artefakte als durch Regeln, Maße und Zwecke bestimmte Entwurfsgegenstände fasst, deren Qualität nicht metaphysisch, sondern praktisch-normativ beurteilt wird. Zentrale Textbasis ist De architectura, insbesondere die Bestimmung von firmitas, utilitas und venustas als normative Leitkriterien. Ergänzend sind Vitruvs Ausführungen zur Ausbildung des Architekten sowie zur Reproduzierbarkeit von Bauformen heranzuziehen, um Artefakte als wissensförmige, standardisierbare Objekte sichtbar zu machen. Ziel des Arguments ist es, Vitruv nicht als vollständige Artefakttheorie zu lesen, sondern als historischen Übergangspunkt: Artefakte werden hier erstmals als Infrastruktur von Praxis und Ordnung fassbar, ohne dass ihre normativen Grundlagen selbst reflektiert würden. Diese Leerstelle ist ausdrücklich zu markieren und als Anschlussstelle für spätere systematische Entwicklungen – insbesondere im Blick auf informationstechnische Artefakte – offenzuhalten.} + \contractAI{Prüfe, ob das formulierte Ziel mit dem geplanten Argument erreicht werden kann. Prüfe, ob der folgende Abschnitt das soeben formulierte Ziel erfüllt. Prüfe, ob der Abschnitt das beschriebene Argument einhält. Prüfe, ob das, was zuvor im Text steht, die hier verlangten Voraussetzungen erfüllt. Wenn jeweils ja, dann sage nur ``ja'', wenn nicht, nenne die Einschränkungen unter klarer Bezugnahme auf diesen Abschnitt und die jeweiligen Textstellen.} +\end{contract} + +\subsection{Roger Bacon} +\begin{contract}[Roger Bacon] + \contractGoal{Der Abschnitt zu Roger Bacon soll Artefakte nicht im Sinne einer ontologischen Bestimmung behandeln, sondern sie explizit als Erkenntnismedien thematisieren. Ziel ist es zu zeigen, dass sich bei Bacon erstmals eine systematische Verschiebung vollzieht, in der Artefakte nicht nur Mittel der Ausführung oder Illustration sind, sondern konstitutiv an der Hervorbringung von Wissen beteiligt werden. Artefakte fungieren hier als operative, instrumentelle und methodisch geregelte Vermittlungsinstanzen zwischen Welt und Erkenntnis. Der Abschnitt soll damit eine eigenständige epistemische Linie eröffnen, die vom Artefaktbegriff im engeren Sinne unterscheidbar bleibt, diesen aber nachhaltig irritiert und erweitert.} + + \contractPrereq{Um den Abschnitt zu Roger Bacon als Theorie epistemischer Artefakte zu verstehen, müssen zuvor der Artefaktbegriff im ontologischen Sinne sowie seine antiken Bestimmungen bereits geklärt sein. Insbesondere müssen Artefakte als hergestellte, zweckgebundene und normativ beurteilbare Objekte eingeführt worden sein, ohne ihnen bereits epistemische Produktivität zuzuschreiben. Zudem müssen grundlegende erkenntnistheoretische Begriffe wie Erkenntnis, Erfahrung, Wahrheit, Instrument und Methode allgemein geklärt sein, ebenso die Unterscheidung zwischen ontologischer und epistemischer Analyse. Methodisch ist vorauszusetzen, dass Artefakte nicht nur als Gegenstände, sondern auch als strukturierende Bedingungen von Praxis thematisierbar sind.} + + \contractArgument{Der Abschnitt soll systematisch rekonstruieren, wie Roger Bacon technische Artefakte und Instrumente als notwendige Medien der Erkenntnis versteht. Zentrale Textbasis sind das \emph{Opus maius} sowie ergänzend das \emph{Opus tertium}, insbesondere Bacons Ausführungen zu \emph{experimentum}, mathematischer Ordnung und instrumenteller Vermittlung. Argumentativ ist herauszuarbeiten, dass Artefakte bei Bacon Erkenntnis nicht bloß unterstützen, sondern ermöglichen, indem sie Wahrnehmung, Messung, Reproduzierbarkeit und Kontrolle von Phänomenen strukturieren. Zugleich ist zu zeigen, dass diese epistemische Aufwertung nicht mit einer ontologischen Aufwertung einhergeht: Artefakte bleiben abhängig von menschlicher Praxis und einer übergeordneten metaphysischen Ordnung. Ziel des Arguments ist es, Bacon als historischen Ausgangspunkt einer Theorie epistemischer Artefakte zu markieren, die weder mit klassischer Artefaktontologie noch mit moderner Technikautonomie identisch ist.} + + \contractAI{Prüfe, ob das formulierte Ziel mit dem geplanten Argument erreicht werden kann. Prüfe, ob der folgende Abschnitt das soeben formulierte Ziel erfüllt. Prüfe, ob der Abschnitt das beschriebene Argument einhält. Prüfe, ob das, was zuvor im Text steht, die hier verlangten Voraussetzungen erfüllt. Wenn jeweils ja, dann sage nur ``ja'', wenn nicht, nenne die Einschränkungen unter klarer Bezugnahme auf diesen Abschnitt und die jeweiligen Textstellen.} +\end{contract} + + +\subsection{Francis Bacon} +\begin{contract}[Francis Bacon] + \contractGoal{Der kurze Abschnitt zu Francis Bacon soll keine eigenständige Artefakttheorie entwickeln, sondern klar und zugespitzt markieren, dass sich mit ihm die bei Roger Bacon eröffnete epistemische Aufwertung technischer Artefakte zu einem expliziten methodischen Programm verdichtet. Ziel ist es, Francis Bacon als denjenigen zu positionieren, der Artefakte nicht ontologisch neu bestimmt, sondern ihre systematische Rolle im Projekt von Wissen normativ legitimiert und einfordert. Der Abschnitt soll zugleich deutlich machen, dass hier kein neuer Artefaktbegriff eingeführt wird, sondern eine Verschiebung der erkenntnistheoretischen Erwartungen an Technik erfolgt.} + + \contractPrereq{Vorausgesetzt ist ein zuvor ausgearbeiteter Artefaktbegriff im ontologischen Sinne sowie die Darstellung Roger Bacons als Ausgangspunkt einer epistemischen Lesart von Artefakten. Ebenso müssen die Unterscheidung zwischen ontologischer Bestimmung und epistemischer Funktion von Artefakten sowie grundlegende Begriffe wie Methode, Experiment, Erkenntnis und Intervention bereits geklärt sein. Der Abschnitt setzt ferner voraus, dass die Namensgleichheit von Roger Bacon und Francis Bacon als historisch und systematisch unterschiedene Positionen bereits implizit verständlich ist.} + + \contractArgument{Der Abschnitt soll knapp rekonstruieren, wie Francis Bacon in Texten wie dem \emph{Novum Organum} Technik und Artefakte als notwendige Mittel gezielter Erkenntnisproduktion konzipiert. Argumentativ ist herauszustellen, dass Artefakte hier nicht nur Erkenntnis ermöglichen, sondern methodisch gefordert werden, um Natur aktiv zu befragen und zu kontrollierten Antworten zu zwingen. Zugleich ist explizit zu markieren, dass Francis Bacon keinen eigenen Artefaktbegriff entwickelt, sondern Artefakte ausschließlich funktional im Rahmen eines wissenschaftlichen Programms adressiert. Ziel des Arguments ist es, Francis Bacon als systematischen Zuspitzungspunkt der epistemischen Artefaktlinie sichtbar zu machen, ohne den Eindruck zu erwecken, hier werde eine eigenständige artefakttheoretische Position entfaltet.} + + \contractAI{Prüfe, ob das formulierte Ziel mit dem geplanten Argument erreicht werden kann. Prüfe, ob der folgende Abschnitt das soeben formulierte Ziel erfüllt. Prüfe, ob der Abschnitt das beschriebene Argument einhält. Prüfe, ob das, was zuvor im Text steht, die hier verlangten Voraussetzungen erfüllt. Wenn jeweils ja, dann sage nur ``ja'', wenn nicht, nenne die Einschränkungen unter klarer Bezugnahme auf diesen Abschnitt und die jeweiligen Textstellen.} +\end{contract} + +\subsection{René Descartes} +\begin{contract}[René Descartes] + \contractGoal{Der Abschnitt zu René Descartes soll zeigen, dass sich mit ihm eine entscheidende Verschiebung im Artefaktverständnis vollzieht, ohne dass Descartes selbst eine explizite Artefakttheorie formuliert. Ziel ist es, Descartes als denjenigen zu lesen, der die Bedingungen dafür schafft, Artefakte primär als Realisationen formaler, regelgeleiteter Strukturen zu verstehen. Artefakte erscheinen hier nicht mehr wesentlich über Materialität oder handwerkliche Herstellung, sondern über Entwurf, Regelhaftigkeit und symbolische Ordnung. Der Abschnitt soll Descartes als systematischen Übergangspunkt markieren, an dem sich der Artefaktbegriff von materieller Zweckmäßigkeit hin zu formaler Konstruierbarkeit verschiebt.} + + \contractPrereq{Vorausgesetzt ist ein zuvor ausgearbeiteter Artefaktbegriff, der Artefakte als hergestellte, zweckgebundene und normativ beurteilbare Objekte bestimmt, sowie die Darstellung der epistemischen Aufwertung von Artefakten bei Roger Bacon und der methodischen Zuspitzung bei Francis Bacon. Ebenso müssen grundlegende Begriffe wie Regel, Methode, Formalisierung, Entwurf und Abstraktion allgemein eingeführt sein. Methodisch ist vorauszusetzen, dass zwischen einer expliziten Artefaktontologie und der impliziten Transformation des Artefaktbegriffs durch erkenntnistheoretische und methodologische Verschiebungen unterschieden wird.} + + \contractArgument{Der Abschnitt soll selektiv rekonstruieren, wie Descartes in Texten wie dem \emph{Discours de la méthode} und den \emph{Regulae} Erkenntnis als regelgeleiteten, formal strukturierten Prozess bestimmt. Argumentativ ist herauszuarbeiten, dass sich Artefakte in diesem Rahmen als Ausführungs- und Realisationsinstanzen formaler Entwürfe verstehen lassen, ohne dass ihre Materialität oder Herstellungsweise noch theoretisch zentral wird. Zu zeigen ist, dass Descartes damit keinen neuen Artefaktbegriff anbietet, wohl aber eine begriffliche Verschiebung vorbereitet, in der Artefakte zunehmend als Träger formaler Ordnung erscheinen. Ziel des Arguments ist es, Descartes als entscheidende Zwischenstation zu markieren, an der der Artefaktbegriff für spätere formale, mathematische und schließlich informationstechnische Bestimmungen geöffnet wird, ohne selbst bereits auf diese hinauszulaufen.} + + \contractAI{Prüfe, ob das formulierte Ziel mit dem geplanten Argument erreicht werden kann. Prüfe, ob der folgende Abschnitt das soeben formulierte Ziel erfüllt. Prüfe, ob der Abschnitt das beschriebene Argument einhält. Prüfe, ob das, was zuvor im Text steht, die hier verlangten Voraussetzungen erfüllt. Wenn jeweils ja, dann sage nur ``ja'', wenn nicht, nenne die Einschränkungen unter klarer Bezugnahme auf diesen Abschnitt und die jeweiligen Textstellen.} +\end{contract} + + +\subsection{Gottfried Wilhelm Leibniz} +\begin{contract}[Gottfried Wilhelm Leibniz] + \contractGoal{Der Abschnitt zu Gottfried Wilhelm Leibniz soll zeigen, dass sich mit ihm der Artefaktbegriff entscheidend in Richtung formaler Systeme verschiebt. Ziel ist es, Leibniz als denjenigen zu lesen, bei dem Artefakte nicht mehr primär als materielle, handwerklich hergestellte Dinge erscheinen, sondern als regelgeleitete, symbolisch strukturierte Operationssysteme. Artefakte und formale Systeme treten hier in eine enge begriffliche Nähe: Rechenmaschinen, Kalküle und Symbolsysteme fungieren als paradigmatische Artefakte, an denen sich zeigt, dass formale Ordnung nicht nur gedacht, sondern technisch realisiert werden kann. Der Abschnitt soll Leibniz als historischen Übergangspunkt markieren, an dem Artefakte erstmals systematisch als formale Systeme verstehbar werden.} + + \contractPrereq{Vorausgesetzt ist ein zuvor entwickelter Artefaktbegriff, der über Materialität und Zweck hinaus bereits Entwurf, Regelhaftigkeit und Normativität umfasst, sowie die Darstellung der formalen Verschiebung bei Descartes. Ebenso müssen grundlegende Begriffe wie Formalisierung, Symbol, Regel, Kalkül und Operation allgemein geklärt sein, ohne sie bereits informatisch zu spezifizieren. Methodisch ist vorauszusetzen, dass Artefakte nicht nur als Dinge, sondern auch als strukturierte Prozesse und Systeme analysiert werden können.} + + \contractArgument{Der Abschnitt soll rekonstruieren, wie Leibniz in Texten wie der \emph{Dissertatio de arte combinatoria} sowie in seinen Überlegungen zu Rechenmaschinen und universellen Kalkülen Denken als regelgeleitete symbolische Operation bestimmt. Argumentativ ist herauszuarbeiten, dass Artefakte bei Leibniz nicht bloß Ausführungsinstanzen formaler Entwürfe sind, sondern selbst als formale Systeme begriffen werden können, deren Struktur mit der Struktur rationalen Denkens vergleichbar ist. Zu zeigen ist, dass diese Konvergenz von Artefakt und Formalismus weder auf Materialität noch auf bloße Zweckmäßigkeit zurückgeführt wird, sondern auf die Idee einer operativen Ordnung. Ziel des Arguments ist es, Leibniz als entscheidende historische Figur zu positionieren, bei der der Artefaktbegriff für eine systematische Verbindung von Technik, Symbolik und formaler Operation geöffnet wird, ohne bereits in moderne Informatik überzugehen.} + + \contractAI{Prüfe, ob das formulierte Ziel mit dem geplanten Argument erreicht werden kann. Prüfe, ob der folgende Abschnitt das soeben formulierte Ziel erfüllt. Prüfe, ob der Abschnitt das beschriebene Argument einhält. Prüfe, ob das, was zuvor im Text steht, die hier verlangten Voraussetzungen erfüllt. Wenn jeweils ja, dann sage nur ``ja'', wenn nicht, nenne die Einschränkungen unter klarer Bezugnahme auf diesen Abschnitt und die jeweiligen Textstellen.} +\end{contract} + + +\subsection{Kant} +\begin{contract}[Immanuel Kant] + \contractGoal{Der Abschnitt zu Immanuel Kant soll Kant ausschließlich als Grenzfigur gegenüber Leibniz lesen. Ziel ist es, die bei Leibniz eröffnete Konvergenz von Artefakt, formalen Systemen und Denken systematisch zu begrenzen, ohne Kant als eigenständigen Artefakttheoretiker zu präsentieren. Der Abschnitt soll zeigen, dass Kant den Anspruch formaler Artefakte strikt beschränkt, indem er die Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis nicht als herstellbar, technisch realisierbar oder artefaktisch begreifbar ausweist. Kant fungiert hier nicht als Fortschritt im Artefaktbegriff, sondern als notwendige Korrektur gegen eine ontologische oder epistemische Überdehnung formaler Systeme.} + + \contractPrereq{Vorausgesetzt ist die Darstellung Leibniz’ als historischer Punkt, an dem Artefakte systematisch als formale, regelgeleitete Operationssysteme begriffen werden können. Ebenso müssen die Begriffe formales System, Regel, Operation und Symbolik bereits eingeführt sein, ohne sie mit transzendentalen Bedingungen zu identifizieren. Methodisch ist vorauszusetzen, dass zwischen der Struktur formaler Artefakte und den Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis klar unterschieden wird.} + + \contractArgument{Der Abschnitt soll selektiv rekonstruieren, wie Kant in der \emph{Kritik der reinen Vernunft} die Formen der Anschauung und die Kategorien des Verstandes als nicht herstellbare, nicht artefaktische Bedingungen von Erkenntnis bestimmt und damit die leibnizsche Nähe von Kalkül und Denken begrenzt. Ergänzend ist aus der \emph{Kritik der Urteilskraft} die Bestimmung von Technik und Zweckmäßigkeit heranzuziehen, um Artefakte als regelgeleitete Hervorbringungen unter Vernunftbedingungen, nicht aber als deren Ursprung, zu fassen. Argumentativ ist herauszuarbeiten, dass Kant formale Artefakte weder ontologisch noch epistemisch autonomisiert, sondern sie konsequent auf eine instrumentelle Rolle beschränkt. Ziel des Arguments ist es, Kant als systematische Grenzfigur zu positionieren, die den Übergang von Leibniz zu modernen formalen und informationstechnischen Artefakten absichert, indem sie deren Leistungsansprüche begrifflich begrenzt.} + + \contractAI{Prüfe, ob das formulierte Ziel mit dem geplanten Argument erreicht werden kann. Prüfe, ob der folgende Abschnitt das soeben formulierte Ziel erfüllt. Prüfe, ob der Abschnitt das beschriebene Argument einhält. Prüfe, ob das, was zuvor im Text steht, die hier verlangten Voraussetzungen erfüllt. Wenn jeweils ja, dann sage nur ``ja'', wenn nicht, nenne die Einschränkungen unter klarer Bezugnahme auf diesen Abschnitt und die jeweiligen Textstellen.} +\end{contract} diff --git a/Part_II_Informationstechnisches_Artefakt/01_Begriff_des_Artefakts.tex b/Part_II_Informationstechnisches_Artefakt/01_Begriff_des_Artefakts.tex new file mode 100644 index 0000000..7ee4810 --- /dev/null +++ b/Part_II_Informationstechnisches_Artefakt/01_Begriff_des_Artefakts.tex @@ -0,0 +1,89 @@ + +\chapter{Zum Begriff des Artefakts} + +\input{Part_II_Informationstechnisches_Artefakt/01.01_Begriffsgeschichte_Grundunterscheidungen.tex} + +\section{Artefakte als objektiver Geist} + +\subsection{Hegel} +\begin{contract}[Georg Wilhelm Friedrich Hegel] + \contractGoal{Der Abschnitt zu Georg Wilhelm Friedrich Hegel soll Hegel strikt funktional als Theorie der Objektivation verorten. Ziel ist es, Artefakte als Momente des objektiven Geistes zu bestimmen, das heißt als vergegenständlichte Formen von Rationalität, die aus menschlicher Praxis hervorgehen und dieser zugleich als objektive Ordnung gegenübertreten. Hegel soll hier weder als Technikoptimist noch als umfassender Systemphilosoph gelesen werden, sondern als derjenige, der erstmals begrifflich fasst, wie Zwecke, Regeln und Vernunftformen in der Welt eine dauerhafte, verbindliche Gestalt annehmen können. Der Abschnitt dient dazu, Artefakte als gesellschaftlich wirksame Strukturen zu bestimmen, ohne sie ontologisch zu hypostasieren oder normativ zu rechtfertigen.} + + \contractPrereq{Vorausgesetzt ist die Darstellung Kants als Grenzfigur gegenüber Leibniz, insbesondere die Unterscheidung zwischen formalen Systemen und den Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis. Ebenso müssen Artefakte bereits als hergestellte, zweckgebundene und normativ strukturierte Objekte eingeführt sein. Methodisch ist vorauszusetzen, dass zwischen Artefakten als Dingen und Artefakten als vergegenständlichten Praxisformen unterschieden werden kann und dass gesellschaftliche Normativität nicht mit individueller Intentionalität identifiziert wird.} + + \contractArgument{Der Abschnitt soll rekonstruieren, wie Hegel im Rahmen des objektiven Geistes Artefakte als Resultate von Entäußerung und Objektivation begreifbar macht. Argumentativ ist herauszuarbeiten, dass Artefakte bei Hegel keine bloßen Mittel subjektiver Zwecke sind, sondern stabilisierte Zweck-Mittel-Relationen, die als objektive Ordnung wirksam werden und menschliches Handeln strukturieren. Heranzuziehen sind dabei insbesondere Passagen zur Arbeit, zur Vermittlung von Subjektivität und Objektivität sowie zur Sittlichkeit, ohne Hegels System im Ganzen zu entfalten. Zu zeigen ist, dass Artefakte als Objektivationen rationaler Praxis kritisierbar bleiben, weil sie Rationalitätsansprüche verkörpern, ohne diese notwendig einzulösen. Ziel des Arguments ist es, Hegel als systematischen Vorbereitungspunkt für eine gesellschaftstheoretische Analyse technischer und informationstechnischer Artefakte zu positionieren, ohne ihn zu einem Techniktheoretiker zu überdehnen.} + + \contractAI{Prüfe, ob das formulierte Ziel mit dem geplanten Argument erreicht werden kann. Prüfe, ob der folgende Abschnitt das soeben formulierte Ziel erfüllt. Prüfe, ob der Abschnitt das beschriebene Argument einhält. Prüfe, ob das, was zuvor im Text steht, die hier verlangten Voraussetzungen erfüllt. Wenn jeweils ja, dann sage nur ``ja'', wenn nicht, nenne die Einschränkungen unter klarer Bezugnahme auf diesen Abschnitt und die jeweiligen Textstellen.} +\end{contract} + + + +\subsection{Karl Marx} +\begin{contract}[Karl Marx] + \contractGoal{Der Abschnitt zu Karl Marx soll Marx explizit als doppelte Kritikfigur positionieren: zum einen als Instrument zur Analyse der Macht-, Herrschafts- und Ausbeutungsdimension technischer Artefakte, zum anderen als Mittel zur Kritik verkürzter, technikdeterministischer oder moralisierender Technik- und Digitalkritiken. Ziel ist es, Artefakte bei Marx als vergegenständlichte gesellschaftliche Verhältnisse zu bestimmen, deren Wirksamkeit nicht aus ihrer technischen Form selbst, sondern aus ihrer Einbettung in Produktionsverhältnisse, Eigentumsordnungen und Arbeitsorganisation hervorgeht. Der Abschnitt soll deutlich machen, dass Marx keine Artefaktontologie liefert, sondern ein Analyseinstrumentarium, mit dem sowohl Artefakte als auch ihre Kritik auf ihre gesellschaftlichen Voraussetzungen zurückgeführt werden können.} + + \contractPrereq{Vorausgesetzt ist der Hegel-Abschnitt, in dem Artefakte als Objektivationen rationaler Praxis und als Momente des objektiven Geistes eingeführt wurden. Ebenso müssen die Begriffe Objektivation, Arbeit, Praxis, Normativität und gesellschaftliche Ordnung bereits geklärt sein. Methodisch ist vorauszusetzen, dass zwischen formaler Struktur eines Artefakts und seiner sozialen Wirksamkeit unterschieden wird und dass Macht nicht als Eigenschaft von Dingen, sondern als Relation gesellschaftlicher Verhältnisse verstanden wird.} + + \contractArgument{Der Abschnitt soll rekonstruieren, wie Marx Artefakte im Kontext von Arbeit, Produktion und Kapital als materielle Verdichtungen gesellschaftlicher Verhältnisse analysiert. Argumentativ ist herauszuarbeiten, dass Maschinen, Werkzeuge und technische Systeme bei Marx keine autonomen Machtträger sind, sondern als Speicher von Arbeitszeit, Mittel der Kontrolle über Arbeitskraft und Instrumente der Reproduktion bestimmter Produktionsverhältnisse fungieren. Zugleich ist zu zeigen, dass Marx damit eine Kritik an technikdeterministischen Deutungen nahelegt: Artefakte erscheinen als Sachzwänge, weil gesellschaftliche Verhältnisse sich in ihnen verfestigen, nicht weil Technik selbst herrscht. Ziel des Arguments ist es, Marx als systematische Ergänzung und Korrektur zu Hegel zu positionieren, indem Artefakte nicht nur als objektive Ordnung, sondern als historisch kontingente, umkämpfte und veränderbare Formen gesellschaftlicher Praxis begreifbar werden.} + + \contractAI{Prüfe, ob das formulierte Ziel mit dem geplanten Argument erreicht werden kann. Prüfe, ob der folgende Abschnitt das soeben formulierte Ziel erfüllt. Prüfe, ob der Abschnitt das beschriebene Argument einhält. Prüfe, ob das, was zuvor im Text steht, die hier verlangten Voraussetzungen erfüllt. Wenn jeweils ja, dann sage nur ``ja'', wenn nicht, nenne die Einschränkungen unter klarer Bezugnahme auf diesen Abschnitt und die jeweiligen Textstellen.} +\end{contract} + +\subsection{Blindstellen einer Marx'schen Analyse} +\begin{contract}[Marx-nahe Techniktheorien: systematische Blindstellen] + \contractGoal{Der Abschnitt soll zeigen, dass marxnahe und marxistisch inspirierte Technik- und Artefakttheorien zwar präzise die gesellschaftliche Wirksamkeit technischer Artefakte analysieren, dabei jedoch systematisch blind für den formalen Modus dieser Wirksamkeit bleiben. Ziel ist es nicht, diese Ansätze zu widerlegen oder zu korrigieren, sondern ihre begriffliche Grenze sichtbar zu machen: Artefakte erscheinen als Träger von Praxis, Macht und Herrschaft, ohne dass ihre interne Form, Regelhaftigkeit und operative Organisation selbst zum Gegenstand der Analyse wird. Der Abschnitt soll diese Blindstelle als strukturelles Defizit ausweisen, das historisch erklärbar ist und erst durch die Einführung informationstechnischer Artefakte im folgenden Kapitel bearbeitet werden kann.} + + \contractPrereq{Vorausgesetzt sind die Abschnitte zu Hegel und Marx, in denen Artefakte als Objektivationen rationaler Praxis beziehungsweise als vergegenständlichte gesellschaftliche Verhältnisse bestimmt wurden. Ebenso müssen die Grundlinien der marxnahen Technikdebatte in ihren leitenden Motiven bekannt sein: Kritik des Technikdeterminismus, Analyse von Macht, Herrschaft und Arbeit, sowie die Zurückweisung einer autonomen Wirksamkeit von Technik. Methodisch ist vorauszusetzen, dass zwischen gesellschaftlicher Wirksamkeit von Artefakten und der Analyse ihrer formalen Struktur unterschieden werden kann, ohne diese beiden Ebenen vorschnell zu trennen oder zu identifizieren.} + + \contractArgument{Der Abschnitt soll problemorientiert vorgehen und keine eigenständige Theorie entfalten. Zunächst ist herauszuarbeiten, dass marxnahe Techniktheorien Artefakte konsequent als gesellschaftlich wirksame Gebilde analysieren, deren Macht aus Produktionsverhältnissen, institutionellen Einbettungen und stabilisierten Praktiken hervorgeht. In einem zweiten Schritt ist zu zeigen, dass diese Analysen Artefakte häufig als Black Boxes behandeln: Ihre Wirksamkeit wird beschrieben, ohne ihre interne formale Organisation, Regelhaftigkeit oder operative Struktur systematisch zu explizieren. Drittens ist zu rekonstruieren, dass die Kritik des Technikdeterminismus zwar überzeugend formuliert wird, jedoch meist negativ bleibt und keinen positiven Begriff dafür entwickelt, wie Artefakte wirksam sein können, ohne als autonome Akteure zu fungieren. Abschließend ist diese Konstellation als systematische Blindstelle zu diagnostizieren, die nicht zufällig, sondern historisch bedingt ist: Der für die Gegenwart zentrale Artefakttyp, das informationstechnische Artefakt, ist begrifflich noch nicht eingeführt. Ziel des Arguments ist es, die Notwendigkeit eines Artefaktbegriffs vorzubereiten, der gesellschaftliche Wirksamkeit und formale Organisation zusammendenkt, ohne diese Aufgabe im vorliegenden Abschnitt bereits zu erfüllen.} + + \contractAI{Prüfe, ob das formulierte Ziel mit dem geplanten Argument erreicht werden kann. Prüfe, ob der folgende Abschnitt das soeben formulierte Ziel erfüllt. Prüfe, ob der Abschnitt das beschriebene Argument einhält. Prüfe, ob das, was zuvor im Text steht, die hier verlangten Voraussetzungen erfüllt. Wenn jeweils ja, dann sage nur ``ja'', wenn nicht, nenne die Einschränkungen unter klarer Bezugnahme auf diesen Abschnitt und die jeweiligen Textstellen.} +\end{contract} + + +\section{Artefakte als formale Systeme} + +\subsection{Boole: Formale als konstruierbare Systeme} +\begin{contract}[George Boole] + \contractGoal{Der Abschnitt zu George Boole soll zeigen, dass sich mit Boole erstmals ein Artefakttyp klar bestimmen lässt, der ausschließlich aus formaler Struktur besteht und dennoch wirkmächtig ist. Ziel ist es, Boole als historischen Punkt zu lesen, an dem formale Systeme explizit als konstruierbare, regelgeleitete und überprüfbare Gebilde erscheinen und damit die Minimalbedingungen eines Artefakts erfüllen, ohne materiell, sozial oder institutionell bestimmt zu sein. Der Abschnitt soll den Begriff des formalen Artefakts etablieren und damit eine begriffliche Voraussetzung schaffen, um spätere informationstechnische Artefakte nicht bloß metaphorisch, sondern strukturell als Artefakte zu verstehen.} + + \contractPrereq{Vorausgesetzt ist ein zuvor entwickelter Artefaktbegriff, der nicht auf Materialität oder handwerkliche Herstellung reduziert ist, sowie die Darstellung von Leibniz und Kant, durch die formale Systeme einerseits denkbar, andererseits aber von den Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis abgegrenzt wurden. Ebenso müssen Grundbegriffe wie Regel, Operation, Normativität, Korrektheit und Formalisierung eingeführt sein, ohne sie bereits informatisch oder medientheoretisch zu spezifizieren. Methodisch ist vorauszusetzen, dass Artefakte auch als abstrakte, nicht-gegenständliche Gebilde analysiert werden können, sofern sie hergestellt, regelgeleitet und normativ beurteilbar sind.} + + \contractArgument{Der Abschnitt soll rekonstruieren, wie Boole in der \emph{Mathematical Analysis of Logic} (1847) und insbesondere in den \emph{Laws of Thought} (1854) Logik als explizit konstruierbares Kalkülsystem entwickelt. Argumentativ ist herauszuarbeiten, dass logische Operationen bei Boole nicht mehr als bloße Rekonstruktionen des Denkens erscheinen, sondern als formal festgelegte Regeln, deren Korrektheit systemintern überprüfbar ist. Zu zeigen ist, dass damit ein formales System entsteht, das hergestellt, verändert und bewertet werden kann und somit die Kriterien eines Artefakts erfüllt. Zugleich ist klar zu markieren, dass Boole weder die mediale Realisierung noch die gesellschaftliche Einbettung dieser Systeme reflektiert. Ziel des Arguments ist es, Boole als Begründer des formalen Artefakts zu positionieren und zugleich die Grenze seiner Perspektive sichtbar zu machen, die im nächsten Schritt mit Frege und Krämer weiter bearbeitet wird.} + + \contractAI{Prüfe, ob das formulierte Ziel mit dem geplanten Argument erreicht werden kann. Prüfe, ob der folgende Abschnitt das soeben formulierte Ziel erfüllt. Prüfe, ob der Abschnitt das beschriebene Argument einhält. Prüfe, ob das, was zuvor im Text steht, die hier verlangten Voraussetzungen erfüllt. Wenn jeweils ja, dann sage nur ``ja'', wenn nicht, nenne die Einschränkungen unter klarer Bezugnahme auf diesen Abschnitt und die jeweiligen Textstellen.} +\end{contract} + + +\subsection{Frege} +\begin{contract}[Gottlob Frege] + \contractGoal{Der Abschnitt zu Gottlob Frege soll streng begrenzt zeigen, dass formale Systeme als Artefakte nicht nur operativ funktionieren, sondern normative Geltungsansprüche erheben. Ziel ist es, Frege ausschließlich als denjenigen zu lesen, der die bei Boole etablierte Konstruiertheit formaler Systeme um eine Dimension der Geltung ergänzt. Der Abschnitt soll verdeutlichen, dass formale Artefakte Maßstäbe des Richtigen und Falschen setzen, ohne diese Normativität sozial, psychologisch oder institutionell zu begründen. Frege fungiert hier nicht als allgemeiner Logiktheoretiker, sondern als systematischer Fixpunkt für die These einer eigenständigen formalen Normativität von Artefakten.} + + \contractPrereq{Vorausgesetzt ist der Abschnitt zu George Boole, in dem formale Systeme als hergestellte, regelgeleitete und veränderbare Artefakte eingeführt wurden. Ebenso müssen die Begriffe Regel, Operation, Korrektheit und Normativität bereits allgemein geklärt sein, ohne sie sozialtheoretisch oder moralphilosophisch zu deuten. Methodisch ist vorauszusetzen, dass zwischen der Herstellbarkeit eines Systems und der Geltung seiner Regeln unterschieden werden kann.} + + \contractArgument{Der Abschnitt soll selektiv rekonstruieren, wie Frege in Schriften wie den \emph{Grundlagen der Arithmetik} und den logischen Aufsätzen zur Begriffsschrift Logik als normatives System bestimmt. Argumentativ ist herauszuarbeiten, dass logische Regeln bei Frege nicht als psychologische Denkgesetze oder konventionelle Spielregeln verstanden werden, sondern als objektive Maßstäbe richtigen Schließens. Zu zeigen ist, dass formale Systeme damit Artefakte bleiben, deren Regeln jedoch Geltungsansprüche erheben, die unabhängig von ihrer faktischen Anwendung bestehen. Zugleich ist klar zu markieren, dass Frege weder die mediale Realisierung noch die gesellschaftliche Wirksamkeit dieser Normativität thematisiert. Ziel des Arguments ist es, Frege als systematische Ergänzung zu Boole zu positionieren, indem das formale Artefakt nicht nur als operatives, sondern als normativ bindendes Gebilde bestimmt wird, ohne diese Normativität weiter zu sozialisieren oder zu materialisieren.} + + \contractAI{Prüfe, ob das formulierte Ziel mit dem geplanten Argument erreicht werden kann. Prüfe, ob der folgende Abschnitt das soeben formulierte Ziel erfüllt. Prüfe, ob der Abschnitt das beschriebene Argument einhält. Prüfe, ob das, was zuvor im Text steht, die hier verlangten Voraussetzungen erfüllt. Wenn jeweils ja, dann sage nur ``ja'', wenn nicht, nenne die Einschränkungen unter klarer Bezugnahme auf diesen Abschnitt und die jeweiligen Textstellen.} +\end{contract} + +\subsection{Krämer} +\begin{contract}[Sybille Krämer] + \contractGoal{Der Abschnitt zu Sybille Krämer soll zeigen, dass formale Artefakte nicht nur durch ihre Regelstruktur (Boole) und ihre normative Geltung (Frege), sondern wesentlich durch ihre mediale und operative Realisierung existieren. Ziel ist es, Krämer als diejenige zu lesen, die den formalen Artefaktbegriff um eine Theorie der Externalisierung, der Schrift und des operativen Vollzugs ergänzt. Formale Systeme erscheinen hier nicht als abstrakte Gebilde, die zufällig realisiert werden, sondern als Artefakte, deren Wirksamkeit untrennbar an mediale Praktiken, Zeichenräume und technische Träger gebunden ist. Der Abschnitt soll Krämer strikt als Explikation des Vollzugs formaler Artefakte positionieren, nicht als Sozial- oder Techniktheoretikerin im engeren Sinne.} + + \contractPrereq{Vorausgesetzt sind die Abschnitte zu George Boole und Gottlob Frege, in denen formale Systeme als hergestellte Artefakte mit eigenständiger formaler Normativität bestimmt wurden. Ebenso müssen die Begriffe Operation, Regel, Normativität, Formalisierung und Externalisierung bereits eingeführt sein. Methodisch ist vorauszusetzen, dass zwischen der abstrakten Struktur eines formalen Systems und seiner konkreten Realisierung unterschieden werden kann, ohne diese Realisierung als bloß kontingente Ausführung abzuwerten.} + + \contractArgument{Der Abschnitt soll rekonstruieren, wie Krämer in Arbeiten zur Schrift, zu symbolischen Maschinen und zur operativen Logik zeigt, dass formale Systeme nur als medial externalisierte und technisch realisierte Artefakte wirksam werden. Argumentativ ist herauszuarbeiten, dass formale Normativität nicht unabhängig vom Vollzug existiert, sondern erst durch wiederholbare, regelgeleitete Operationen in Zeichen- und Medienräumen stabilisiert wird. Zu zeigen ist, dass Krämer damit weder die formale Struktur (Boole) noch die normative Geltung (Frege) relativiert, sondern beide an eine Theorie der Medialität und Operativität bindet. Ziel des Arguments ist es, Krämer als systematischen Übergangspunkt zu positionieren, an dem formale Artefakte als operative Maschinen sichtbar werden, ohne ihre gesellschaftliche Einbettung oder Machtwirkung bereits zu thematisieren.} + + \contractAI{Prüfe, ob das formulierte Ziel mit dem geplanten Argument erreicht werden kann. Prüfe, ob der folgende Abschnitt das soeben formulierte Ziel erfüllt. Prüfe, ob der Abschnitt das beschriebene Argument einhält. Prüfe, ob das, was zuvor im Text steht, die hier verlangten Voraussetzungen erfüllt. Wenn jeweils ja, dann sage nur ``ja'', wenn nicht, nenne die Einschränkungen unter klarer Bezugnahme auf diesen Abschnitt und die jeweiligen Textstellen.} +\end{contract} + +\section{Reflexion} +\subsection{Intentionalität, Autorschaft, Herstellung} + +\subsection{Funktion, Zweck, Normativität} + +\subsection{Materialität und Realisierung} + +\subsection{Soziale Einbettung und Praxis} + +\subsection{Artefakte als Mittel, Medien und Möglichkeitsbedingungen}